Cover Friedensgutachten 2011

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Vorwort 2009

In Afghanistan herrscht Krieg. Lange haben sich Öffentlichkeit, Regierung und Parlament vor der Einsicht gedrückt, dass Deutschland dort eine Kriegspartei ist. Die Politik hat es versäumt, der Öffentlichkeit reinen Wein einzuschenken. Mit zunehmenden Angriffen Aufständischer auf deutsche Soldaten ist dies kaum noch zu umgehen. Aber auch im benachbarten Pakistan herrscht Krieg: Dort wurden im letzten Jahr bereits mehr Menschen Opfer von Krieg und Terrorismus als in Afghanistan. Ob Afghanistan oder Pakistan: Die Ratlosigkeit wächst und die Durchhalteparolen wirken immer weniger überzeugend.

Das Friedensgutachten 2009 rückt deshalb die Frage ins Zentrum, wie solche Kriege beendet werden können. In der Vergangenheit haben Politik und Friedensforschung intensiv über die Prävention und die Nachsorge (postconflict peace building) von Gewaltkonflikten und Kriegen diskutiert. Nun ist es an der Zeit, auch über Möglichkeiten und Strategien von Kriegsbeendigung nachzudenken. Diese Diskussion möchten wir anstoßen. Dabei geht es nicht allein um Afghanistan und Pakistan, sondern auch um den Irak, den Sudan, den Kongo, Palästina und andere – die Fragen, die sich in „gescheiterten Staaten“ und Aufstandskriegen stellen, sind oft ähnlich und gründen darin, dass sich diese Kriege von denen der Vergangenheit vielfach unterscheiden.

Dieses Friedensgutachten erscheint wenige Monate nach dem Amtsantritt der Regierung Obama und dem Ende der bleiernen Jahre, für die George W. Bush verantwortlich war. Auch wenn die globale Finanz- undWeltwirtschaftskrise alles überschattet, sind die Hoffnungen auf den Politikwechsel groß – groß ist auch die Erleichterung über den neuen und offeneren Politikstil, der nun in Washington gepflegt wird. Der Regierungswechsel in den USA eröffnet friedenspolitische Chancen, die es beherzt zu nutzen gilt. Es ist ermutigend, dass eine Reihe von Forderungen, die wir seit Jahren erheben – etwa die Notwendigkeit nuklearer Abrüstung und die Perspektive einer atomwaffenfreien Welt – nun endlich auf der Tagesordnung der Weltpolitik stehen. Deshalb behandelt das Friedensgutachten 2009 neben seinem Schwerpunkt Kriegsbeendigung auch die Herausforderungen für die transatlantische Partnerschaft. Ein dritter Themenbereich präsentiert Erfahrungen mit zivilen – nichtmilitärischen – Formen der Konfliktbearbeitung und Prävention, womit wir frühere Diskussionen weiterführen. Sich der Frage zu stellen, wie sich Kriege beenden lassen, bedeutet ja keineswegs, dass deren Prävention oder zivile Bearbeitung nach Kriegsende weniger wichtig wären.

Das Friedensgutachten entsteht in einem aufwändigen Prozess, bei dem zuerst institutsintern und dann zwischen den Instituten alle Beiträge kommentiert, diskutiert und danach überarbeitet werden. Einbezogen sind hier auch die externen Autoren, die zum Friedensgutachten beitragen. Diese Form der Begutachtung, die nicht anonym erfolgt, sondern den Dialog zwischen den Kolleginnen und Kollegen der fünf Institute sowie weiteren Autoren als Produktivkraft nutzt, hat damit zu tun, dass wir das Friedensgutachten nicht als einen gewöhnlichen Sammelband, sondern als ein gemeinsames Produkt der Institute verstehen. Wie in der Vergangenheit soll auch das Friedensgutachten 2009 friedenspolitische Vorschläge und Empfehlungen für die politische Praxis bieten. Wir stellen es darum vor der Bundespressekonferenz in Berlin und in den zuständigen Ausschüssen des Deutschen Bundestages vor. Darüber hinaus freuen wir uns, dass es in zunehmendem Maße in der Bildung und Erwachsenenbildung Verbreitung findet.

Unser Dank gilt auch dieses Jahr dem LIT Verlag, insbesondere FrankWeber, für die gute Zusammenarbeit. Die Beiträge wurden Mitte April 2009 abgeschlossen, die Stellungnahme der Herausgeberinnen und Herausgeber am 11. Mai. Das Buch innerhalb von zwei Wochen zu produzieren dient seiner Aktualität zum Erscheinungszeitpunkt, stellt aber eine große Herausforderung dar.

In der Reihe der Herausgeber des Friedensgutachtens fehlt in diesem Jahr der Name Reinhard Mutz. Er war der Doyen und das institutionelle Gedächtnis des Friedensgutachtens. Denn er war von Anfang an dabei, zuerst als rechte Hand von Egon Bahr, dann als der für das IFSH verantwortliche Herausgeber. Wer die Produktionsbedingungen dieser in der Wissenschaftslandschaft nicht üblichen Kooperation mehrerer Institute kennt, die alle ein eigenes Profil haben und mitunter auch konkurrieren, weiß die Bedeutung dieser Kontinuität seit 1987 zu schätzen. Wir danken Reinhard Mutz herzlich für sein Engagement. Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr vor allem Elena Heßelmann und Daniel Lambach (beide INEF) für ihre engagierte und kompetente Unterstützung zu danken.

Schließlich danken wir auch der Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF) für die weitere Förderung des Projekts.

Duisburg, Heidelberg, Hamburg, Frankfurt/Main, Bonn
11. Mai 2009

Die Herausgeber

 
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