Friedensgutachten 2004

Cover Friedensgutachten 2011

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Vorwort 2004

Viele gute Gründe wurden gegen den Irak-Krieg vorgebracht. Einer davon betraf das Verhältnis zwischen islamischer und westlicher Welt, dem mit dem Krieg eine weitere Last aufgeladen wurde. Konnte man nach dem schnellen Ende der Kampfhandlungen im Irak noch hoffen, dass die Befürchtungen größer waren als der angerichtete Schaden, hat sich dies seit dem Bekanntwerden der menschenverachtenden Folterpraktiken durch US- amerikanisches Militärpersonal umgekehrt.

Diese und zahlreiche andere aktuelle Konflikteskalationen verstärken die Zweifel daran, ob mit militärischen Mitteln mehr Sicherheit und stabiler Frieden zu schaffen ist und ob auf all den anderen Feldern von Krisenprävention und Konfliktbearbeitung schon ausreichende Anstrengungen unternommen werden, kollektive Gewaltanwendung systematisch zurückzudrängen und zu verhindern.

Gegen solche Zweifel verweisen wir im diesjährigen Friedensgutachten auf die Erfahrungen und Erkenntnisse aus Friedensprozessen und Friedensstrategien. Mit neuen Ansätzen und Instrumenten. die wir unter die Lupe nehmen, wird vielerorts versucht, der Gewalt Einhalt zu gebieten und den Frieden zu befördern. Doch auch Friedensprozesse durchschreiten Krisen, Friedensstrategien werden unterlaufen, neue Ansätze und Instrumente können alte Probleme lösen, werfen aber zugleich neue Fragen und Widersprüche auf. Diese Unvollkommenheit aller Bemühungen um Frieden und ihre Ambivalenzen sind ein immer wiederkehrendes Thema der hier versammelten Analysen. Sie verweisen einmal mehr darauf, dass Frieden keine schnellen Lösungen verträgt, sondern Beharrlichkeit und einen langen Atem erfordert.

Wenn sich die ersten drei Beiträge in diesem Jahr mit den „vielbeschworenen Bedrohungen des Friedens“ kritisch auseinandersetzen, verbinden wir damit auch den Anspruch, mit unseren Analysen tiefer zu blicken als es im dominanten sicherheitspolitischen Diskurs geschieht. Dieser scheint vor allem jene Gefährdungen erkennen zu wollen, denen man meint, mit militärischen Mitteln begegnen zu können. Das reicht nicht aus. Deshalb richten wir den Blick auch auf Konfliktursachen, zivile Krisenprävention, Ansätze menschlicher Sicherheit und Maßnahmen der Friedenskonsolidierung.

Das Friedensgutachten wendet sich sowohl an politische Entscheidungsträger als auch an eine interessierte Öffentlichkeit. Trotz wirtschaftlicher Krisenerscheinungen und anhaltender innenpolitischer Reformdebatten nimmt die Außen- und Sicherheitspolitik breiten Raum im politischen Meinungsstreit ein. Dazu wollen wir einen Beitrag leisten.

Zum ersten Mal wenden wir uns in diesem Jahr auch gezielt an Multiplikatoren der Jugend- und Erwachsenenbildung, vor allem an Lehrerinnen und Lehrer: Zeitgleich mit diesem Buch erscheint ein 24-seitiges Begleitheft mit didaktischen Materialien zu einzelnen Schwerpunkten. In Zusammenarbeit mit Autorinnen und Herausgebern des Friedensgutachtens wurde vom Institut für Friedenspädagogik Tübingen (IFT) die Handreichung „Friedensgutachten 2004 – didaktisch" erstellt. Sie soll es vor allem Jugendlichen erleichtern, sich mit aktuellen friedenspolitischen Fragestellungen zu beschäftigen. Günther Gugel und Uli Jäger vom IFT ist es gelungen, in kurzer Zeit zentrale Themenstellungen des Friedensgutachtens 2004 für die unmittelbare Verwendung im Unterricht aufzubereiten. Ihnen sei an dieser Stelle besonders gedankt, ebenso der Deutschen Stiftung Friedensforschung, die dieses Vorhaben finanziell unterstützt hat.

Insgesamt hatte die Friedensforschung in den vergangenen Monaten erhebliche finanzielle Einbußen zu verkraften, auch die das Friedensgutachten herausgebenden Institute werden von Sparmaßnahmen nicht verschont. Dem öffentlichen Auftrag, die Voraussetzungen für Frieden wissenschaftlich zu erforschen, lässt sich nur eingeschränkt entsprechen, wenn der Forschungsbedarf kontinuierlich wächst, die Mittel dafür aber gekürzt werden. Für viele dringende Forschungsvorhaben, auch zu Problemstellungen, die in diesem Gutachten aufgeworfen werden, fehlen die öffentliche Unterstützung und finanzielle Förderung.

Ende April 2004 wurden die Einzelanalysen des vorliegenden Gutachtens abgeschlossen, der Text der Stellungnahme Ende Mai. Die Gesamtredaktion lag turnusgemäß beim Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen, das für diese Aufgabe durch das Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen großzügig unterstützt wurde. Für vielfältige und tatkräftige Hilfen bei der Fertigstellung des Friedensgutachtens 2004 ist in besonderer Weise Bettina Führmann und Sabine Wagner am INEF sowie Frank Weber und seinem Team beim LIT Verlag zu danken.

Duisburg, Heidelberg, Hamburg, Frankfurt a.M., Bonn 15. Juni 2004
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